Zwischen Stränden, Pies und dieser ständigen Versuchung!
Inzwischen kann ich dies hier schon Alltag nennen. Seit gut zwei Monaten bin ich in Augusta, stehe jeden morgen auf um zur Arbeit zu gehen, Heim kommen, essen, schlafen. Ich pendele zwischen zwei Jobs hin und her. 5 Tage im Supermarkt und 2 Tage in der Bäckerei. An den Tagen, an denen ich früh anfange und somit schon mittags frei habe, verbringe ich die Abende am Strand oder schaue mir den Sonnenuntergang am Leuchtturm an.
Fahre nach Margaret River oder an einem der anderen kleinen schönen Orte in der Umgebung von Augusta. Bei 7 Tage die Woche arbeiten bleibt leider nicht all so viel Zeit dazu. Ich bin nicht mal wirklich braun, obwohl der Strand nur ein paar Meter von mir entfernt ist. Alle zwei bis drei Wochen gönne ich mir einen freien Tag. Ich merke immer mehr, wie anstrengend diese 7 Tage Woche ist. Wo alles nur für 6 Wochen angedacht war, bleibe ich nun bis April in Augusta. Ob ich das jedoch bis zum Ende in diesem Umfang durch ziehe?
Heute habe ich einen Tag frei und tatsächlich ist es der erste Tag seit zwei Monaten, an dem ich nichts geplant habe. Es ist nicht so, dass ich mich nicht um ein paar Dinge kümmern muss, aber heute ist sonst nicht viel geplant. Ein Tag faulenzen, Musik hören, die Sonne genießen und endlich mal wieder schreiben.
All die leckeren Cakes, Tarts, Biscuits und Pies in der Bakery um sich zu haben ist schon echt schwer. Einiges habe ich schon probieren können. Die Australier lieben diese Pies, ich bevorzuge hingegen lieber Mudcake und Kakao.
Im Supermarkt versuche ich den Angeboten zu widerstehen und nicht jede Pause ein Eis, Schokolade oder was anderes leckeres zu kaufen. So oft erwische ich mich, wie ich bei den Produkten die die Kunden kaufen, denke: „Oh, dass kaufst du gleich!“ Nicht immer kann ich dem widerstehen.
Seit Wochen denke ich beim Einräumen der Ölflaschen, dass mir irgendwann mal eine herunter fällt und überall das Öl verteilt ist. Was genauso unschön ist, ist Sirup. Gestern ist mir aus etwas mehr als 2 m höhe eine 2l Flasche Cola Sirup auf dem Boden gefallen. Ich konnte gar nicht so schnell reagieren, wie sie auf dem Boden aufprallte und -Bääähmmm- die Flasche platzte und er Sirup unter den Regalen bis in den nächsten Gang spritzte. Dies sauber zu machen ist sicher nicht besser als Öl. Katzenstreu hilft hier allerdings sehr gut.
Die Tage vergehn so schnell. 2 Monate arbeite ich schon wieder und mehr als die hälfte habe ich noch vor mir. Es wird Zeit, dass ich weiter reise. Ich mag diesen Ort sehr gerne, eine tolle Familie mit der ich zusammen wohne, neue Freunde die ich wieder vermissen werde, ein weiteres zu Hause in meinem Herzen, das in den nächsten Monaten noch Platz für viele weitere braucht.
Durch den Supermarkt, und dadurch, dass es der einzigste in Augusta ist, kenne ich so ziemlich jeden Bewohner. Überall sind bekannte Gesichter. Wie sehr ich mich nach meiner Ankunft in Australien und auch später freute, dass jeder „hey, how you going?“ sagt. Wenn ich in meiner Freizeit unterwegs bin, mag ich es immer noch gerne. Aber an der Kasse im Supermarkt? Mit dem einen quatsche ich mehr, mit dem anderen weniger. Ein einfaches „Hello“ wäre zwischendurch echt nett und ausreichend. Lustig ist immer, wenn jemand deutsch spricht und nicht damit rechnet, dass ich sie verstehe. Vor allem wenn unsere ältere Generation meckert. Die überraschten Gesichter, wenn ich darauf reagiere. Echt lustig.
Ich bin so froh, hier arbeiten zu können und nicht irgendwo im nirgendwo zu sein. Von meinem Plätzchen in der Mittagspause sehe ich das Meer, hat was! Aber etwas zieht mich in die Ferne. Es wird Zeit wieder was neues zu sehen und zu erleben. Und wenn dies soweit ist, ist es fast schon so weit, dass ich dieses Land verlassen muss. 3 Monate bleiben noch.
Ich sitze gerne Abends am Leuchtturm auf den Felsen und schaue den Wellen zu bis es dunkel und kalt wird. Es ist Sommer und Abends trage ich lange Hose und eine Jacke. Perth hat hingegen 40 Grad. Wie schön dagegen eine Jacke sein kann.
Etwas weiter liegt die Hamelin Bay. Eine große Bucht in der sich Stingrays streicheln lassen. Sie werden dort angefüttert und halten sich deshalb dort recht häufig auf. Sie sind ziemlich glitschig und weich. Am Strand siehst du noch die überbleibsel eines Stegs, gibt dem ganzen einen schönen Flair.
Am Redgate Beach ist die Strömung nicht zu unterschätzen. Ich habe ihn nun schon sehr ruhig erlebt und mit richtig großen reißenden Wellen. Diese prallten auf den Rocks im Wasser auf, sodass ein Bild entstand, wo das Wasser die Form des Sydney Opera House hat. Genialer Schnappschuss. Ich mag es dort einfach, weil der Strand so viele Felsen zum klettern hat und wenn du auf das Meer zu fährst ist es schon ein geiler Blick von dem herunterfahrenden Hügel auf das Meer zu schauen. Diese nicht enden wollende Weite.
Vor einigen Wochen brannte es zwischen Perth und Bunbury. Das Feuer war groß, breitete sich schnell aus und brannte eine Stadt ab. Weitere waren in Gefahr, die Menschen wurden evakuiert. Die Eltern meiner Gastfamilie mussten ebenfalls evakuiert werden, sie verbrachten einige Tage bei uns in Augusta in voller Hoffnung, dass 200 km entfernte Haus wieder zu sehen. Solche Naturkatastrophen sind immer schlimm. Australien ist jedes Jahr von vielen Feuern betroffen, aber dies so direkt mitzuerleben, alles war plötzlich so nah, zu bannen und zu verfolgen wie weit das Feuer ist, ist nicht vergleichbar mit den Nachrichten aus Fernsehen und Radio, wenn andere Länder betroffen sind. Zum Glück konnte das Feuer nach einigen Tagen so eingegrenzt werden, dass keine weitere Stadt abbrannte.
Zwei Wochen später gab es ein Feuer auf der kleinen Insel Molloy Island hier direkt in Augusta. Betroffene Freunde konnten zum Glück am gleichen Tag wieder nach Hause fahren. Auf der Insel stehen viele Ferienhäuser und ein paar Locals wohnen dort. Sie befindet sich in dem Blackwoodriver, der in den südlichen Ozean mündet. Die Bewohner der Insel müssen mit einer kleinen Fähre herüber fahren, die sich nach 17:00 Uhr selbst bedienen. Es wirkt etwas wie ein kleiner Urwald dort drüben.
Ich bin an den ersten Tagen mit dem Kayak auf dem Blackwoodriver gefahren und habe die Insel zum Teil umrundet. Das Wasser ist stellenweise nur Knietief. Super schöne Aussichten, richtig ruhig und entspannend. So war es auch auf der Insel direkt.
Der Weg entlang des Flusses ist ebenfalls richtig schön. Ich habe hier schon Delphine und Rochen im Wasser gesehen. Viele gehen hier an den Stegen oder mit ihren Booten in dem Fluss fischen. Meine Freundin wohnt in einem Haus direkt am Fluss, der Blick von der Terrasse über den Fluss ist genial.
Das Wetter ist sehr angenehm zum Arbeiten, es ist so zwischen 20 und 25 Grad. Sehr windig meist und leider auch ab und zu bewölkt und verregnet. In Deutschland fragte ich mich noch, warum die Australier soviel freundlicher sind und glücklicher wirken. Es liegt auf jeden Fall auch an der Sonne hier. An diesen verregneten Tagen, ist es hier genauso schwer morgens aus dem Bett zu kommen, wie in Deutschland. Die Sonne, der blaue Himmel und diese Wärme macht Menschen glücklicher. Hätten wir mehr Sonne in Deutschland, wäre es dort auch anders und die Menschen wahrscheinlich zufriedener und ausgeglichener.
In der Magaret River Gegend befinden sich viele Tropfsteinhöhlen, die Jewel Cave habe ich mir angeschaut. Schon beeindruckend was da so unter der Erde wächst und lebt.
In der Finders Bay hier in Augusta schnorchelte ich, die Bucht ist zum schwimmen gut geeignet, aber leider nicht zum schnorcheln. Es sind dort nur ein paar Fische zu sehen. Eher sogar ziemlich wenige und nach dem ich diese Fischvielfalt im Ningaloo Reef gesehen habe, auch nur langweilige weiße Fische.
In der Schokoladenfabrik kannst du Schokolade probieren und zu schauen, wie sie hergestellt wird. Die ist echt richtig gut. Es ist auch hier schwer nicht direkt alles zu kaufen.
In Gracetown trat bei einer Surfveranstaltung in 1996 plötzlich ein Unwetter ein. Einige Menschen suchten Schutz unter den Klippen. Ein Teil der Felswand stütze ein und 9 Menschen wurden unter ihr begraben. Du kannst ein Weg an den Klippen entlang laufen, dort ist eine Gedenkstelle für die Verstorbenen. Immer wieder hört man von solchen Vorfällen, im letzen Jahr ist im Karrijini Nationalpark jemand von abgebrochenen Felsen in die tiefe gestürzt worden. Achte immer darauf, dass du nicht zu nah an dem Abgrund gehst, auch wenn es so toll aussehen mag.
Auch wenn es schon etwas her ist, Silvester ohne Feuerwerk fühlt sich nicht wie Silvester an. Zudem haben hier in Augusta alle am 31.12 schon Happy New Year gesagt. Ziemlich merkwürdig. Um Zwölf standen alle da und haben weiter gesprochen, als wenn nichts sei. Wir hatten immerhin ein paar Wunderkerzen. Richtiges Silvester ist dann doch eher nur in Großstädten. Mal sehen, wo ich dieses Jahr sein werde von diesen vielen schönen Ländern auf unserer Erde.
Augusta, du bist eine kleine Stadt in der es alles gibt was man braucht. Sicher ist hier nicht viel los, ich mag es sehr gerne hier. Danke Augusta!